Zelle und Körper

Die ersten Christen lebten zwei Gottesdienstformen parallel. Im großen Gottesdienst in der Halle Salomos im Tempel trafen sich in Zeiten der Jerusalemer Erweckung nach Pfingsten täglich bis zu zehntausend Christen.
In den einzelnen Häusern dagegen traf man sich in überschaubaren Gruppen, nahm das Abendmahl, tauschte sich aus und betete füreinander.
Hier war auch der Raum, wo man sich in geistlichen Gaben und Diensten üben konnte. Während die große Bühne im Tempel meist Petrus und den Aposteln vorbehalten blieb, pulsierte in den Häusern das geistliche Leben. Beides gehörte zusammen - das Bewusstsein der immer größer werdenden Anzahl der Gläubigen, die sich täglich zur traditionell jüdischen Stunde des Gebetes um 15.00 Uhr (Apg. 3,1) trafen, die nun von den Christen als Sterbestunde Jesu täglich gefeiert wurde und die geistliche Vertiefung im kleinen Kreis, wo man sich nicht voreinander verstecken konnte. Größenwachstum und inneres Wachstum konnten so von allen anderen gesehen werden. Eine Entwicklung wurde erkennbar, die eindeutig Gottes Handschrift trug und nach der sich viele sehnten. So konnte Gott weiter Menschen dazutun, die gerettet werden wollten. Dieser
Idealzustand hielt an, bis zur Christenverfolgung nach dem Tod des Stefanus. Nun durften die Christen nicht mehr die zentrale Halle, sozusagen den jüdischen Kirchsaal benutzen. Für manchen brach damit eine Welt zusammen, war doch der Tempel zentraler Punkt vieler Verheißungen des AT. Doch hat es der Christenheit geschadet, dass sie ihren zentralen Anbetungsort verlor? Hatte nicht Jesus sogar darauf hingewiesen? Das geistliche Leben ging in den kleinen Gruppen weiter. Gemeinde wurde in Häusern gegründet.
Später, als das Christentum Staatsreligion wurde, gab es die umgekehrte Entwicklung. Man versammelte sich wieder zentral und das geistliche Leben in den Häusern erstarb. Während am Anfang die Familien täglich das Abendmahl, von einfachen Familienvätern ausgeteilt, in den Häusern hielten, durfte dies bis heute nicht mehr ohne ordinierte Amtsperson stattfinden und wurde aus den Häusern in die immer größer werdenden Kirchsäle getragen.Nun hatte man wieder die großen Versammlungen, doch die kleinen, wo authentisches Christsein eingeübt wurde, verschwanden. Hat das der Christenheit geschadet? Eindeutig! Jüngerschaft bedeutete für die ersten Jünger Nachfolge Jesu in einer überschaubaren Gruppe, in der sich gruppendynamische Prozesse wie Rollenfindung, Vergebung und Ergänzung nicht ohne Reibung unter den Augen Jesu abspielten. Ohne die kleine Gruppe, ohne Lernen in verbindlichen Beziehungen gibt es keine Jüngerschaft.
Jesus macht Jünger! Wir machen oft nur Christen, Menschen die ein Credo bejahen, aber nicht gelernt haben, Jesus nachzufolgen.Wir haben als Gemeinden in Deutschland das Vorrecht, dass wir uns in großen Gruppen frei versammeln können und sind dafür dankbar. Wir freuen uns als Gemeinde auch am zahlenmäßigen Wachstum, das wiederum neue Möglichkeiten der Evangelisation und des Dienstes an der Gesellschaft bringt. Und doch ist es uns besonders wichtig, in die Tiefe zu wachsen, miteinander und aneinander zu reifen und gemeinsam Jesus näherzukommen. Dazu brauchen wir die kleine Gruppe. Aus diesem Grund möchten wir auch, dass in der Aktion 7 Wochen mit jeder, dem es möglich ist, sich für diese Zeit eine Kleingruppe sucht. Diese Zeit kann auch Zeit für einen Wechsel oder den Neuanfang einer solchen Gruppe sein. Die Geschichte der Christenheit
zeigt deutlich: Ohne den großen Gottesdienst kann die Christenheit überleben, ohne verbindliche Kleingruppen nicht. Wir haben die Chance, wie die ersten Christen in Israel, beides zu pflegen. Das ist ein besonderer Segen. Jünger statt Anhänger verherrlichen den Vater. Das ist ein lebenslanger Prozess. Jesus redet in Joh.15,8 zu seinen Jüngern kurz vor seinem Tod davon, dass sie erst seine Jünger werden. Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet. In der Passionszeit 2015 haben wir die Möglichkeit zu 7 Wochen Jüngerschaftsschule.
Nutzen wir die Chance!
A.M.