Was Gott nun denkt, wünscht und redet, ist für uns wichtig, doch wie bekommen mein Nachbar oder gar „die Heiden“ mit, dass ich von Gott gesegnet bin? Durch Größe und Baujahr meines Autos? Durch Grundbesitz oder Intelligenzgrad meiner Kinder? Der Psalmist beschreibt hier ein wunderbares Bild. Es ist dem Aaronitischen Segen entnommen, der in unseren Breiten meist das Ende des Gottesdienstes anzeigt. Der Herr lasse uns sein Angesicht leuchten… Mehr als eine fromme Formel! Unvergessenes Erlebnis und Realität für eine ganze Generation des Volkes Israel. Jeden Abend, wenn es dunkel und kalt wurde und die Feinde sich aufmachen wollten, das Volk Israel zu überfallen, gab es über dem Lager der Israeliten Licht und Wärme. Jeder sah mit eigenen Augen das Wunder: Der Gott Israels wachte höchstpersönlich über seinem Volk. Schutz vor der Kälte der Nacht und Sicherheit. Niemand konnte sich unbemerkt dem Lager nähern. Selbst die wilden Tiere hatten Respekt vor dieser Feuersäule über dem Volk Gottes.
Kleine Kinder hatten keine Angst einzuschlafen und die Erwachsenen brauchten keinen aufwändigen Security- Dienst zu organisieren. Gott wachte in der Zeit, wo sein Volk am angreifbarsten war. Das sprach sich rum. Jahre später noch redete die Hure Rahab in Jericho ehrfurchtsvoll zu den Kundschaftern in ihrem Haus von dem Gott, der sein Volk persönlich führt.
 Andere um uns spüren den Segen besonders dann, wenn es bei uns Nacht ist und wir angreifbar sind. Dann nämlich ist die Feuersäule Gottes als Kontrastprogramm zu Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit besonders deutlich zu erkennen. Mit Gottes Segen ist es wie mit den Sternen: sie sind immer da, aber erst in der Dunkelheit erkennt man sie. Die Wolkensäule am Tage konnte man vielleicht noch wissenschaftlich als Ausnahmeerscheinung in der Wüste erklären. Die Feuersäule blieb ein deutliches Zeichen Gottes. Dunkle Zeiten in unserem Leben sind Gottes Chance, Ungläubigen zu zeigen, was Segen bedeutet. Sie werden ermutigt, sich ebenfalls nach dem Segen der Gemeinschaft eines persönlichen, uns zugewandten Gottes auszustrecken und erleben ihre eigene Wolken- und Feuersäule. Dann geschieht, was als Ziel des Segens im Vers 3 beschrieben ist: Die Menschen auf der Erde erkennen den Weg Gottes (heißt Gottes Heilsplan) in Prozentbereichen, die nicht nur nach dem Komma zählbar sind und alle! Heiden (Atheisten, Esoteriker, andere Religionen…) beginnen, vom Kreuz her zu leben, denn nur von dort kommt das Heil Gottes für uns. Doch dieser Segensfluss ist kein Selbstläufer. Nicht die Wolken- und Feuersäule zog hinter dem Volk Gottes her, sondern umgekehrt. Segen Gottes erlebst du nur dort, wo ER ist- in der Versammlung gläubiger Menschen, dort wo man dankbar ist und ihn sucht. Das Gebet um Segen schließt deshalb auch gleichzeitig, die Willigkeit ein, ihm hinterherzulaufen. Jesus nennt das Jüngerschaft. Es gibt keinen besseren Ort, als in seiner Nähe, wo wir sein Angesicht besonders dann über uns leuchten sehen, wenn sonst kein Licht am Horizont auftaucht.
A.M.