Predigt zum MDR-Gottesdienst 12.04.2015


Predigttext: Röm 8,14-16
14 Denn diejenigen, die von Gottes Geist gelenkt werden, sind Kinder Gottes.15 Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, dass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir "Abba!", Vater, zu Gott sagen. 16 So macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes sind. (NEÜ)

Die Bibel als Karte des Lebens

„Da vorn links abbiegen.“ „Was hier?“ „Ja, jetzt links… nein das andere links!“ Wie oft ist es mir schon so gegangen, wenn ich mit meiner Frau im Auto unterwegs war und sie versucht hat nach Karte zu navigieren. Ich als Mann kann das natürlich viel besser – dachte ich jedenfalls bis… ja, bis wir getauscht haben und ich mich zwischen einer großen aufgeklappten Karte und den an mir vorbeiziehenden Straßenschildern wiedergefunden habe. Boah. Das ist eine echte Herausforderung.
Wir können Gottes Wort an uns Menschen, die Bibel, vergleichen mit so einer Landkarte. Sie zeigt uns den richtigen Weg zum Ziel. Sie beschreibt das
Leben und macht deutlich, wo wir ankommen, wenn wir diesen oder wenn wir jenen Weg wählen. In Spr 11,19 bspw. lesen wir: „Gerechtigkeit führt zum
Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tode.“ Doch das ist längst nicht alles. Die Bibel hat weit mehr zu bieten als platte Parolen und moralische
Appelle. Sie geht weit über ein richtig und falsch, weiß und schwarz, rein und unrein hinaus. Sie gibt uns ein detailliertes Bild von der wunderbaren Idee,
die Gott für unser Leben hat. Sie zeigt das Ziel, das Gott mit uns verfolgt, wie wir ihm ähnlicher werden und unser Leben nach seiner Vorstellung gestalten
können.
Aber wie schwer ist es doch meistens, bei meinem Lebenstempo den Weg vor mir im Auge zu behalten und gleichzeitig immer wieder den Blick in die
Karte zu richten. Wo bin ich gerade? Bin ich noch in die richtige Richtung unterwegs? Und bam, schon habe ich diese wichtige Auffahrt verpasst und
drehe eine Ehrenrunde oder lande ungeplant auf einem holprigen Feldweg, der meinem Auto bzw. meinem Leben gar nicht gut tut. Oft ist es nicht so
einfach, die Bibel richtig zu verstehen und herauszufinden, was Gott zu meiner aktuellen Situation sagt.

Der Heilige Geist als unser Navi

Heutzutage gibt es zum Glück Navigationsgeräte. Jedes Smartphone funktioniert inzwischen als Navi. Sie haben bestimmt selbst schon erfahren,
was das für ein Segen ist, wenn man jemanden hat, der einen sicher zum Ziel führt. Ich gebe mein Ziel ein und sobald ich auf „Route starten“ drücke,
zoomt es in die Karte, genau an die Stelle, wo ich mich gerade befinde. Plötzlich wird die Karte lebendig, bewegt sich und spricht zu mir. Was für ein
wunderbares Bild für den Heiligen Geist. Ich muss gar nicht den ganzen Weg
im Detail kennen. Ich kenne mein Ziel und sehe immer den nächsten Schritt.
Mehr brauch ich auch nicht, weil ich weiß, dass mein Navi mich auf dem
besten Weg führt. Voraussetzung ist, dass ich ein Navi benutze und per GPS
mit den Satelliten Himmel verbunden bin.
Unser Predigttext im 8. Kapitel des Briefes von Paulus an die Christen in
Rom beginnt mit der Aussage: Diejenigen, die von Gottes Geist gelenkt
werden, sind Kinder Gottes. (NEÜ) Gott hat schon immer seine Kinder
gelenkt und geführt, sodass sie sich seiner Gegenwart bewusst werden
konnten, und das nicht nur theoretisch, sondern im Leben ganz real
erfahrbar. Im Alten Testament ist Gott der Vater am Tag als Wolken- und
nachts als Feuersäule vor dem Volk hergezogen – das war mal ein
unübersehbares Navi. Später hat er Jesus gesandt, dem die Menschen
gefolgt sind. Der hat sich selber als lebendigen Weg bezeichnet, ein guter
Name für ein Navigationsgerät. Unbewusst haben die Menschen gespürt
dass sie, wenn sie Jesus gefolgt sind, bei Gott ankommen würden. Und
dann… ist Jesus in den Himmel aufgefahren. Doch er hat gesagt, dass er
uns nicht wie Waisenkinder orientierungslos zurücklassen würde. Nein er hat
zu Pfingsten seinen Heiligen Geist gesandt. Lesen Sie in der Bibel einmal die
Apostelgeschichte: Sie ist ein einziges Zeugnis davon, wie Gott seine Kinder
durch seinen Geist übernatürlich führt.
Der Heilige Geist ist kein rudimentäres Anhängsel oder unpersönliche Kraft
Gottes. Er ist unser göttliches Gegenüber, er macht unseren Glauben zu
einem Abenteuer. Ohne ihn ist Glaube nur leere Tradition. Es ergäbe keinen
Sinn einen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes zu feiern oder Menschen auf diesen Namen zu taufen, wenn er nicht
Gott wäre. Der Heilige Geist ist unser Herr, das heißt, er darf wie Jesus und
der Vater in das Leben der Kinder Gottes hineinsprechen. Nicht umsonst
heißt es im Nizänum, dem Glaubensbekenntnis, das Othodoxe, Katholiken
und Protestanten auf der ganzen Welt vereint: „Wir glauben an den Heiligen
Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn
hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht
wird…“ Der Heilige Geist ist die Person der Dreieinigkeit, die heute hier auf
dieser Welt agiert, in uns leben und uns führen will.

Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden... Joh.1,11+12

Wir kennen die Geschichte in vielen Variationen aus dem Krippenspiel: Maria und Josef auf Herbergssuche. Am Ende kommen sie gerade mal in einem Stall unter. Der König Israels, der, durch den alles besteht, was uns umgibt- Jesus Christus macht sich abhängig davon, von uns Menschen aufgenommen zu werden. Wie einfach hätten die Menschen in Bethlehem Gottes Kinder werden können. In Ewigkeit würden sie genannt, als die, welche den menschgewordenen Sohn Gottes aufnahmen. Sie brauchten nur Jesus in Maria aufzunehmen. Doch niemand erkannte ihn. Niemand räumte sein Wohnzimmer für ihn. Immerhin- ein leerer Stall wurde noch gefunden. Aber konnte man denn Jesus in Maria so einfach erkennen? Nicht Wissen, Lebenserfahrung, geistlicher Dienst oder Gesetzestreue konnte Jesus als Messias erkennen. Menschen brauchen dafür eine Offenbarung von Gott. Engel mussten vom Himmel kommen und die Hirten in eindrucksvoller Weise auf die Geburt des Retters der Welt aufmerksam machen. Die Hirten wiederum verbreiteten in ganz Judäa diese gute Nachricht.ganz Bethlehem auf den Beinen ist, um die Ankunft des Messias, wenn auch verspätet, zu feiern. Doch die einzige Reaktion auf den Bericht der Hirten war Verwunderung (Lu.2,18). Nicht einmal Interesse oder ein Nachfragen. Eben nur Verwunderung.

Als etwa drei Monate später die Magier aus dem Osten kamen, um bei Herodes nach dem neugeborenen König der Juden zu fragen, wusste niemand im benachbarten Jerusalem etwas von dem Kind. Nicht mal eine kleine Bewegung gab es, die in Jesus ihren Messias erkannt hätte! Niemand in Bethlehem glaubte demnach dem Zeugnis der Hirten. Warum? Erwartete man den Messias nicht? Aus der Geschichte wissen wir, dass es gerade zu jener Zeit in Israel eine große Messiaserwartung gab, denken wir nur an den alten Simon im Tempel (Luk 2,26). Und doch glaubte niemand den Berichten der Hirten. Die Hilfe Gottes sah anders aus, als die Vorstellung der meisten Gläubigen der damaligen Zeit. Und wie ist das heute? Auch heute kann man Jesus nur durch Offenbarung als Retter erkennen. Der Heilige Geist muss in unseren Herzen eine Himmelsleiter projizieren, damit wir Jesus im Wort Gottes erkennen. Aber kommt der Retter immer so, wie wir uns das vorstellen? Wie viele Erweckungsbewegungen sind schon von anderen frommen Christen abgelehnt worden, weil sie nicht ihren Vorstellungen entsprachen?! Mag sein, dass dann, wenn prominente Vertreter aus Kirche und Politik aus dem Ausland, sich zu einer solchen Bewegung stellen, wie damals die Weisen aus dem Morgenland, sich die Meinung ändert. Spätestens beim Kindermord zu Bethlehem ist den Bewohnern die Ernsthaftigkeit des Zeugnisses der Hirten klar geworden. Aber genauso, wie es Offenbarung zum Erkennen des Retters braucht, braucht es auch Offenbarung, wenn der Feind Gottes, wie hier Herodes, aktiv wird. Durch Offenbarung Gottes an Joseph- das Reden des Engels im Traum- wurde Jesus als einziges Kleinkind in Bethlehem gerettet. So freiwillig, wie die Aufnahme Jesu ist, so schutzlos sind aber auch diejenigen vor dem Wirken des Feindes, die ihn nicht aufnahmen. Nicht Gott bestrafte sie, aber er konnte sie auch nicht retten. Darum brauchen wir immer wieder übernatürliche Offenbarung Gottes für unser Leben. Das Wort Jesajas (Jes.8,20) Hin zur Weisung und zur Offenbarung!
Wenn sie nicht nach diesem Wort sprechen, dann gibt es für sie keine Morgenröte. gilt für alle Menschen aller Zeiten. Gott möchte, dass wir auch heute, im Bild gesprochen, zu den Hirten gehören, die den Frieden auf Erden erleben. Die anderen erlebten damals stattdessen Mord und Totschlag. Alles hängt davon ab, ob wir bereit
sind, für uns die Offenbarungen Gottes zu suchen oder lieber unsere eigenen religiösen Bilder pflegen und den Retter verpassen. Der Heilige Geist ist für uns, wie der Stern der
Weisen. Er führt uns zu Jesus, der dort zu finden ist, wo ihn niemand vermutet, damit für uns Frieden auf Erden inmitten der Hektik Bethlehems Wirklichkeit werden kann.
A.M.

Zelle und Körper

Die ersten Christen lebten zwei Gottesdienstformen parallel. Im großen Gottesdienst in der Halle Salomos im Tempel trafen sich in Zeiten der Jerusalemer Erweckung nach Pfingsten täglich bis zu zehntausend Christen.
In den einzelnen Häusern dagegen traf man sich in überschaubaren Gruppen, nahm das Abendmahl, tauschte sich aus und betete füreinander.
Hier war auch der Raum, wo man sich in geistlichen Gaben und Diensten üben konnte. Während die große Bühne im Tempel meist Petrus und den Aposteln vorbehalten blieb, pulsierte in den Häusern das geistliche Leben. Beides gehörte zusammen - das Bewusstsein der immer größer werdenden Anzahl der Gläubigen, die sich täglich zur traditionell jüdischen Stunde des Gebetes um 15.00 Uhr (Apg. 3,1) trafen, die nun von den Christen als Sterbestunde Jesu täglich gefeiert wurde und die geistliche Vertiefung im kleinen Kreis, wo man sich nicht voreinander verstecken konnte. Größenwachstum und inneres Wachstum konnten so von allen anderen gesehen werden. Eine Entwicklung wurde erkennbar, die eindeutig Gottes Handschrift trug und nach der sich viele sehnten. So konnte Gott weiter Menschen dazutun, die gerettet werden wollten. Dieser
Idealzustand hielt an, bis zur Christenverfolgung nach dem Tod des Stefanus. Nun durften die Christen nicht mehr die zentrale Halle, sozusagen den jüdischen Kirchsaal benutzen. Für manchen brach damit eine Welt zusammen, war doch der Tempel zentraler Punkt vieler Verheißungen des AT. Doch hat es der Christenheit geschadet, dass sie ihren zentralen Anbetungsort verlor? Hatte nicht Jesus sogar darauf hingewiesen? Das geistliche Leben ging in den kleinen Gruppen weiter. Gemeinde wurde in Häusern gegründet.
Später, als das Christentum Staatsreligion wurde, gab es die umgekehrte Entwicklung. Man versammelte sich wieder zentral und das geistliche Leben in den Häusern erstarb. Während am Anfang die Familien täglich das Abendmahl, von einfachen Familienvätern ausgeteilt, in den Häusern hielten, durfte dies bis heute nicht mehr ohne ordinierte Amtsperson stattfinden und wurde aus den Häusern in die immer größer werdenden Kirchsäle getragen.Nun hatte man wieder die großen Versammlungen, doch die kleinen, wo authentisches Christsein eingeübt wurde, verschwanden. Hat das der Christenheit geschadet? Eindeutig! Jüngerschaft bedeutete für die ersten Jünger Nachfolge Jesu in einer überschaubaren Gruppe, in der sich gruppendynamische Prozesse wie Rollenfindung, Vergebung und Ergänzung nicht ohne Reibung unter den Augen Jesu abspielten. Ohne die kleine Gruppe, ohne Lernen in verbindlichen Beziehungen gibt es keine Jüngerschaft.
Jesus macht Jünger! Wir machen oft nur Christen, Menschen die ein Credo bejahen, aber nicht gelernt haben, Jesus nachzufolgen.Wir haben als Gemeinden in Deutschland das Vorrecht, dass wir uns in großen Gruppen frei versammeln können und sind dafür dankbar. Wir freuen uns als Gemeinde auch am zahlenmäßigen Wachstum, das wiederum neue Möglichkeiten der Evangelisation und des Dienstes an der Gesellschaft bringt. Und doch ist es uns besonders wichtig, in die Tiefe zu wachsen, miteinander und aneinander zu reifen und gemeinsam Jesus näherzukommen. Dazu brauchen wir die kleine Gruppe. Aus diesem Grund möchten wir auch, dass in der Aktion 7 Wochen mit jeder, dem es möglich ist, sich für diese Zeit eine Kleingruppe sucht. Diese Zeit kann auch Zeit für einen Wechsel oder den Neuanfang einer solchen Gruppe sein. Die Geschichte der Christenheit
zeigt deutlich: Ohne den großen Gottesdienst kann die Christenheit überleben, ohne verbindliche Kleingruppen nicht. Wir haben die Chance, wie die ersten Christen in Israel, beides zu pflegen. Das ist ein besonderer Segen. Jünger statt Anhänger verherrlichen den Vater. Das ist ein lebenslanger Prozess. Jesus redet in Joh.15,8 zu seinen Jüngern kurz vor seinem Tod davon, dass sie erst seine Jünger werden. Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet. In der Passionszeit 2015 haben wir die Möglichkeit zu 7 Wochen Jüngerschaftsschule.
Nutzen wir die Chance!
A.M.

Dass Gott aber wirklich die Toten auferwecken wird, das hat Mose schon bei der Begegnung am Dornbusch deutlich zu verstehen gegeben, als er den Herrn dort den 'Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs' nannte. Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden! Für ihn sind alle lebendig. Luk.20,37+38
Novemberblues – Regen an der Scheibe, der erste Schneematsch... Das Gefühl, dass etwas Schönes zu Ende geht und nun rauere Tage anbrechen... Die Jahreszeiten erinnern immer wieder an unsere Vergänglichkeit. Und doch sind das alles nur Scheinwerfereinstellungen im Stück unseres Lebens auf dieser Erde. Auch wenn im Theater alles Licht ver-löscht, sind die Schauspieler noch da. Schöne und traurige Szenen wechseln sich ab und nachdem der Vorhang fällt, stehen alle Schauspieler wieder gemeinsam glücklich im glei-ßenden Scheinwerferlicht und freuen sich über den Applaus. Unser Leben ist ein Schauspiel für den gesamten Himmel. Auch Paulus schreibt in 1.Kor.4,9: Wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen. Selbst die himmlischen Wesen verfolgen nach Eph.3,10 gespannt, das Stück unseres Lebens. Doch dieses Stück ist eine Serie. So wie auf jeden Winter ein Frühling folgt, liegen Tod und neu-es Leben oft nahe beieinander. Gott ist ein Regisseur, der seine Stücke über mehrere Generationen verteilt –er ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Mütter, Väter und Kinder. Auch wenn manche von ihnen nicht mehr auf dieser Erde sind, gehören sie doch zum gleichen Stück und wir werden uns gemeinsam am Ende im Licht der himmlischen Scheinwerfer verbeugen. Gott ist ein Gott der Lebenden! Es ist sein Werk, welches über Generationen hinweg geschrieben wird und der Tod ist nur ein Teil der Inszenierung. Wer auf der Bühne gestorben ist, hat zwar keinen Auftritt mehr im Stück, verfolgt es aber ungesehen vom Publikum hinter der Bühne bis zum Schluss. Ist es nicht eigenartig, dass ein wesentliches Element vieler Nahtodberichte die verstorbenen Verwandten sind, die einem oft als erstes in der anderen Welt entgegenkommen? Sie sind wie wir Teil des Stückes. Gott ist ein Regisseur der Lebenden! Auch wenn dieses Schauspiel oft dramatische Tiefen durchschreitet, am Ende steht das Leben, der gemeinsame Erfolg mit dem Regisseur. Es kommt nicht drauf an, wie die uns zugedachte Rolle ist, traurig oder fröhlich, lang oder kurz, sondern ob wir sie im Sinne des Regisseurs spielen. Ob vor oder hinter dem Vorhang, denn: Für ihn sind alle lebendig.                                          A.M.